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Mitnahmeeffekt: Ein Auto für 36 Euro

Kolumne vom 21.01.2012

Meine Toleranzschwelle ist ja ziemlich hoch. Was gelegentlich an dieser Schwelle kratzt, das sind Menschen, die ihren Kopf nur dazu benutzen, damit es ihnen nicht in den Hals regnet.
Nicht jeder kann mit einer gewissen kognitiven Grundausstattung aufwarten. Das ist auch nicht weiter schlimm, wir sind alle mit unterschiedlichen Gaben gesegnet. Wenn aber jemand versucht, das mit Dreistigkeit zu kompensieren, dann ist es mit meiner persönlichen Toleranz nicht mehr allzu weit her.

von Robert Schneider

Der MMB ist ein Verein, der sich inzwischen auf mehreren Ebenen engagiert. Dass wir Menschen mit Behinderungen helfen, mobil zu werden oder zu bleiben, ist eines unserer Kernthemen.

Wir hosten und betreuen auch das Rollinet(t), aus dem wir damals entstanden sind.
Politisch sind wir aktiv, wie ihr wisst und das an einigen Fronten. Gemeinsam mit Partnern wie ForseA und ISL versuchen wir, die Bedingungen für Menschen mit Behinderungen zu verbessern.

Viele unserer Mitglieder wissen ihren Jahresbeitrag bei uns in guten Händen. Ihnen ist klar, dass wir nur etwas bewegen können, wenn wir viele Menschen hinter uns stehen haben und sind genau aus diesem Grund bei uns.

Leider gibt es aber immer wieder Menschen, die glauben, wenn sie in den MMB eintreten, dann besorgt man ihnen ein Auto und dann können sie wieder austreten. Im Idealfall heißt das, ein Auto für 36 Euro. Technisch gesehen.
Über dieses Thema habe ich mich erst kürzlich ausgelassen und möchte euch auch gar nicht damit langweilen.
 
Für ein Fahrzeug, das individuell auf eine Behinderung angepasst ist, gehen sehr schnell fünf bis sechsstellige Beträge über den Tisch, was schon für Otto Normalverdiener kaum zu stemmen ist. Eine Familie, die sich außerdem noch um einen behinderten Menschen kümmern muss, ist damit im Regelfall überfordert.
Da müssen Stiftungen angeschrieben, Anträge gestellt, mit Umbauern gesprochen werden. Diejenigen, denen zum Beispiel ein Heinrich Buschmann bei der Formulierung eines Stiftungsanschreibens geholfen hat, die wissen, was ich meine.
Viele Stiftungen unterstützen nur eine bestimmte Zielgruppe. Da kann es eine Menge Geld und Arbeit einsparen, wenn man weiß, wen man anschreibt und wen besser nicht.
Unsere Berater wissen das, die wissen auch, wie die Schreiben aufgesetzt werden müssen.

Manchmal müssen aber auch "nur" den entsprechenden Ämtern die richtigen Unterlagen präsentiert werden. Auch da wissen unsere Berater, welche Stelle wofür da ist.

In unseren Mailinglisten helfen sich die Menschen gegenseitig, tauschen Tipps zu Hilfsmitteln oder Adressen von Umbauern aus. Manchmal verabreden sich auch einige, um gemeinsam etwas zu unternehmen.
Daraus entstanden Mobiltreffs, Selbsthilfegruppen und, wie gesagt, auch der MMB.
Wenn viele Menschen etwas gemeinsam tun, dann einigen sie sich auf gewisse Regeln, damit das Ganze auch funktioniert.
Was man im richtigen Leben als Umgangsformen bezeichnet, ist im Internet die Netiquette.

In gewachsenen Strukturen ist es üblich, dass Leute kommen und auch wieder gehen. Das ist so und niemand hat Probleme damit. Manche Menschen wissen nicht, wie man korrekt aus einem Verein, einer Selbsthilfegruppe oder einer Mailingliste austritt.
Nun, das lässt sich im Regelfall nachlesen oder man fragt jemanden. Natürlich kann ich mich auch hinstellen und lauthals herumschreien, dass ich nicht mehr dabei sein will.
Damit dokumentiere ich dann auch gleich, dass ich entweder zu dumm oder zu faul bin, mir die nötigen Informationen selbst heraus zu suchen. Was natürlich auch Rückschlüsse auf meine Fähigkeit zulässt, ein Stiftungsanschreiben zu formulieren.
Möglicherweise hört oder liest das aber ja jemand, der sich dafür zuständig fühlt. Wenn nicht, dann kann ich auch einen Anwalt einschalten.
Der liest dann für mich nach, wie ich mich am einfachsten abmelde. Oder ich schreie einfach noch lauter, dass ich jetzt einen Anwalt einschalte.

So groß ist die Szene nicht, es kann also durchaus sein, dass es sich bis dahin zu den Zuständigen herumspricht, dass da jemand etwas möchte.
Sie werden dann einmal nachfragen, was denn das ganze Theater soll. Wenn der Schreihals seine Kontaktdaten aktuell hält, dann kann man ihn sogar erreichen. Ganz besonders viel Spaß haben die Verantwortlichen immer daran, wenn sie als Antwort auf ihre Fragen neue Beispiele für ihre Sammlung an Schimpfwörten und Pöbeleien bekommen. Sie freuen sich darüber so sehr, dass diesen Menschen aus allen Datenbanken austragen lassen. Ziel erreicht.

Dann kann die Person sich freuen, das neue Auto und vielleicht sogar ein paar fette Gewinnspielpreise behalten und wird nie wieder mit so unnötigen Dingen, wie gegenseitiger Unterstützung oder gemeinsamem Vorgehen behelligt.
Bis zum nächsten Wartungsintervall. Dann freuen sich die Helfer, die sich so gerne als unfähige Lügner bezeichnen lassen, dass sich wieder jemand erbarmt, um ihnen eine Existenzgrundlage zu geben.
Weil, es gibt ja wieder einen Jahresbeitrag und sie haben auch sonst nichts zu tun.

Ich würde allerdings verstehen, wenn die Helfer eine solche Person nicht mehr ganz so gerne unterstützen möchten.

Aber zum Glück sind solche Vollpfosten, wie sie ein gewisser Musiktitan nennen würde, bei uns nur rein hypothetisch. Unsere Mitglieder sind eine enge Gemeinschaft, die genau weiß, dass wir nur bestehen können, wenn wir uns gegenseitig den Rücken decken.

Stimmts?