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Die Mär von den redlichen Helfern

Kolumne vom 01.01.2017

Es war einmal ein junger Rollstuhlfahrer, der gerne etwas weiter kommen wollte, als die Akkus seines Rollstuhls zuließen. Also begann er, ein Auto so umbauen zu lassen, dass er es vom Rollstuhl aus bedienen konnte. Als nach vielen Versuchen und Rückschlägen das Auto endlich fertig war, überlegte sich der junge Rollstuhlfahrer, das es doch bestimmt noch andere in seiner Situation gäbe. Er suchte und fand auch andere, denen es genauso ging, wie ihm.

von Robert Schneider

Gemeinsam fanden sie heraus, dass jeder Umbau auf die Person angepasst sein muss. Wie man das Geld für solch teure Projekte zusammen bekommt, das war eine der größten Herausforderungen. Aber auch diese konnten sie gemeinsam meistern. 

Einige der Menschen, denen die kleine Gruppe helfen konnte, waren so dankbar, dass sie ebenfalls mithelfen wollten. Im Laufe der Jahre wurde die Gruppe der Helfer immer größer. Das Einzigartige daran war, dass allen das Helfen und die Dankbarkeit der Menschen Belohnung genug war.

Einem der Helfer, der aus sehr einfachen Verhältnissen kam, gefiel ganz besonders die Macht, die er über die Menschen hatte, denen er eigentlich helfen sollte. Er genoss es, diese Menschen zur Unzeit anzurufen und Unterlagen zu fordern. Die Menschen, die um seine Hilfe baten, zu drangsalieren und herum zu kommandieren, das gab ihm eine solche Befriedigung, dass er davon immer mehr haben wollte. 

Für die Werkstätten, die die Autos umbauten, tat sich ein vollkommen neuer und lukrativer Markt auf. Manche machten den Helfern kleine Geschenke. Nichts Großes, Kalender, Kugelschreiber oder auch einmal einen Ölwechsel zum Selbstkostenpreis. Das gefiel dem einen Helfer noch mehr. Wieder etwas, dass er den Menschen vorschreiben konnte. Und so kam es, dass manche quer durch das Land fahren sollten, obwohl sie in ihrer Nähe auch gute Werkstätten hatten, meistens zu einem bestimmten Betrieb. Waren das seine Preise, seine Leistung, seine Geschenke?

Manche, denen geholfen werden sollte, wunderten sich darüber, andere versuchten, andere Helfer zu finden. Doch der eine Helfer hatte inzwischen gelernt, die Menschen so zu verängstigen, dass sie alles taten, was er wollte. Eines Tages kam den anderen Helfern ein Gerücht zu Ohren, dass einer von ihnen gar nicht so redlich sei. Sie konnten es erst gar nicht glauben, kannten sich die Helfer doch untereinander. Doch als die Gerüchte nicht verstummen wollten, begannen sie nachzuforschen, was denn wohl daran sei. Was sie erfuhren, machte ihnen solche Sorge, dass sie die, die Gelder verwalteten baten, noch genauer aufzupassen. So etwas dürfe nie wieder geschehen. 

Der eine Helfer merkte, dass wohl etwas im Busch sei und verließ fluchtartig die Gemeinschaft. Wie er manche Hilfesuchende dazu brachte, ihm zu folgen, werden wir wohl nie erfahren. Denn zum Glück ist das nur eine erfundene Geschichte.

Sagt man.