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Becky-Barbie und das Teilhabegesetz

Kolumne vom 12.04.2017

Die Firma Mattel hat eine Barbie im Rollstuhl herausgebracht und sie Becky genannt. Möglicherweise wollte die Spielzeugfirma sich damit als besonders fortschrittlich und inklusiv präsentieren - wer weiß?

Dummerweise geriet Becky realitätsnäher, als geplant.

Von Robert Schneider

Der Rollstuhl war, wie im richtigen Leben zu breit, um durch die Türen von Beckys pinkfarbener Luxusvilla zu passen. Tja - dumm gelaufen.
Nachdem die ersten Kunden sich beschwerten, reagierte Mattel sofort. Becky wurde umgehend vom Markt genommen und die Produktion eingestellt.

Becky-Barbie

Nur - die Produktion behinderter Menschen lässt sich eben nicht so einfach einstellen. Man kann Behinderte auch schlecht vom Markt nehmen. Aber man kann es ja zumindest probieren, oder?

Irgendwie erinnert mich das an das Bundesteilhabegesetz. Mit einem riesigen Werbebudget wurde das Teilhabegesetz als großer Fortschritt verkündet.

Es wurde auch ein gutes Gesetz - für die Heimbetreiber, die Fahrdienste, eigentlich für alle, die den Wirtschaftsfaktor behinderter Mensch als Einnahmequelle entdeckt haben.

Sind alle Behinderten in Pflegeheimen untergebracht, dann sind sie wenigstens von der Straße. Fast, als wären sie vom Markt. Was hätten die Mattel-Manager gesagt? Close enough! 

 

Dabei ist es doch ganz einfach. In unserem Grundgesetz steht doch schon alles: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

Die Schöpfer unseres Grundgesetzes hatten ihren Grund, die Artikel so kurz und einfach zu halten. Das Grundgesetz ist nicht interpretierbar. Das steht dort so eindeutig, daran kann nicht herumgedeutelt werden.

Beim Teilhabegesetz kommt es mir so vor, als hätte man es trotzdem probiert. Dabei kam man sogar auf die Idee, die Behindertenverbände um ihre Meinung zu fragen. Gefragt wurde zwar, aber das, was unter dem Strich herauskam, sieht aus, als hätte man vergessen, den Antworten auch zuzuhören.

Einen Vorteil hatte die Sache: Die Behinderten und ihre Verbände sprachen plötzlich eine gemeinsame Sprache. Mit Demonstrationen, Ankett-, Käfig- und anderen Aktionen taten sie ihre Meinung lautstark kund.

Aber da müssen die Verantwortlichen jeweils an anderer Stelle tätig gewesen sein, denn die Rufe verhallten in der Weite der ministerialen Hallen.
Kein Problem, dann fragen wir einfach nochmal. Es wurden ja ausreichend Gelder bereitgestellt, um den armen Behindis mal etwas Gutes zu tun.

Also wurde eine repräsentative Studie in Auftrag gegeben, um die Wünsche der behinderten Menschen herauszufinden. Eine Vorstudie ergab, dass die beste Möglichkeit eine Repräsentativbefragung im Rahmen eines Symposiums wäre.
Wenigstens war die Vorstudie nicht ganz so teuer, wie das Symposium zu werden verspricht. Aber was soll's, das Geld ist ja da.

Noch...