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Wer sich nicht wehrt - Was tun, wenn man als Rollstuhlnutzer überfallen wird?

Meldung vom 21.02.2017

Beim vergangenen Regiotreffen in Karlsruhe befassten sich 30 interessierte MMB-Mitglieder mit der Frage, wie man sich im Rollstuhl vor gewalttätigen Übergriffen schützen kann. Kriminalhauptkommissarin Rastätter und Polizeioberkommisar Nees gaben wichtige Selbstverteidigungstipps.

Mut, sich auch körperlich zu wehren

So, wie auch Fußgängerinnen und Fußgänger Mut aufbringen müssen, sich gegen gewalttätige Übergriffe zur Wehr zu setzen, so müssen auch Rollstuhlfahrer ihren Mut zusammennehmen. Dann würde es weit weniger Verletzte geben, so die Polizei. Der Angreifer hat keine Skrupel, im Gegensatz zum Angegriffenen. Aber man kann und sollte ihn außer Gefecht setzen, z. B. in dem man ihm mit dem Finger ins Auge sticht oder einen kräftigen Hieb auf die Nase gibt. Das ist eine angemessene Reaktion z. B. bei einem sexuellen Angriff.

Beim Raubüberfall lieber die Taschen leeren und dem Täter eins pfeifen

Bei einem Raubüberfall, so hörten die MMB-Mitglieder, besser alle Wertsachen hergeben, die man bei sich hat. Denn es gibt nichts wichtigeres als die körperliche Unversehrtheit – also bitte nicht kämpfen!

Damit andere auf die Notlage, in der man sich befindet, aufmerksam werden, heißt es Alarm schlagen. Gezeigt wurde ein Alarmgerät für die Handtasche bzw. eines, bei dem man an einer Strippe zieht und so einen Alarm auslöst. Die Teilnehmer konnten das Gerät selber ausprobieren. Es erzeugt einen unangenehmen lauten Alarmton. Allerdings hat es die gleiche Tonlage wie eine Auto-Alarmanlage. Würden andere Menschen überhaupt darauf reagieren? Ist der Alarm nicht zu alltäglich? Manche Teilnehmer waren skeptisch bezüglich der Wirksamkeit eines solchen Alarms.

Hilfreicher kann die gute alte Trillerpfeife sein. Veranstaltungsorganisatorin Karin Breunig hatte für alle eine am Band zum Umhängen mitgebracht, in der Hoffnung, dass die Anwesenden sie zukünftig auch mitnehmen, wenn sie das Haus verlassen.

Jein zum Pfefferspray

Auch der Einsatz von Pfefferspray kam zu Sprache. Vorab: Die Polizei empfiehlt es ausdrücklich nicht! Wer es dennoch nutzen möchte, sollte folgendes bedenken: Man muss es sofort zur Hand haben. Schließlich kann man dem bösen Buben nicht sagen: "Stopp, ich muss erst das Pfefferspray in der Handtasche suchen." Es ist auch nicht auszuschließen, dass der Gauner, nachdem man ihn mit Pfefferspray traktiert hat, trotzdem mit seiner geplanten Tat fortfährt. Manche sind wohl so resistent, dass so ein Spray eher noch ihren Adrenalinspiegel steigen lässt und sie daher von der Untat erst recht nicht ablassen.

Da es unterschiedliche Sprays gibt, ist es ratsam, sich in einem Waffengeschäft beraten zu lassen. Wer sich nach der Beratung für ein Pfefferspray entscheidet, kauft am besten zwei: eins zum Ausprobieren und das zweite Spray für den Notfall.

Gefahrensituationen erkennen und umfahren

Erkennt man, dass eine Begegnung zu einer Konfliktsituation führen könnte, ist es besser, sie zu umfahren bzw. umgehen. Kommt einem z. B. eine Gruppe Halbstarker entgegen, lieber auf die andere Straßenseite gehen oder rollen und nicht auf sein Durchfahrt- "Recht" pochen. Durch ein selbstsicheres Auftreten signalisiert man, dass man kein Opfer ist.

Wer weitere Fragen hat, kann sich an Karin Breunig wenden. Sie hält weiterhin den Kontakt mit den Referenten von der Polizei.

Beim kommenden Regiotreffen am 11. März, das wieder in der "Rheinterrasse" stattfindet, wird sich die kommunale Behindertenbeauftragte, Frau Wernert, vorstellen und über ihre Arbeit berichten.

kdq/dk