REHACARE 2007

Login Drucken

REHACARE International 2007 in Düsseldorf

Mobil mit Behinderung e.V. war vom 03. bis 06. Oktober mit einem Gemeinschaftsstand mit der Bundesinitiative „Daheim statt Heim" auf der REHACARE International 2007 in Düsseldorf vertreten.

Lesen Sie nachfolgend einen kurzen Rückblick von Helmut Rebmann:

Seit der REHACARE International 2007, die laut Pressemeldung der Messe Düsseldorf von 47.000 Menschen besucht wurde, sind nun mehr als 14 Tage vergangen. Zeit für ein Resümee der diesjährigen Messe.

Die REHACARE sorgte schon im Vorfeld für Spannung, hatten doch verschiedene Hersteller, unter anderen z. B. so namhafte Rollstuhlproduzenten wie Sunrise Medical (Sopur) und Meyra, die Teilnahme an der REHACARE 2007 abgesagt, um auf die Messe Düsseldorf einzuwirken, die REHACARE künftig nur noch alle zwei Jahre als wirklich großes Event stattfinden zu lassen. Offensichtlich sind vielen Firmen die zahlreichen Messetermine, REHAB 2007 in Karlsruhe, REHACARE 2007 in Düsseldorf, „Miteinander leben 2008" in Berlin und dann wieder REHACARE 2008, zu eng gesteckt und schlicht zu teuer.

Dennoch startete die diesjährige Düsseldorfer Veranstaltung am 03. Oktober gleich mit einem interessanten Kongress zum Thema: „Wohn(t)raum". Mehrere Referenten nahmen zu diesem Thema in Impulsreferaten Stellung und sorgten für eine anregende Podiumsdiskussion im Anschluss daran.

Silvia Schmidt, MdB und Behindertenbeauftragte der SPD, sprach über die Bundesinitiative „Daheim statt Heim" und über das „Warum" dazu. Frau Schmidt ist die Gründerin dieser Initiative.

Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner referierte über das „Leben in der Gemeinde – Bürgerschaftliches Engagement als eine Möglichkeit des Verbleibens im gewohnten sozialen Umfeld".

Danach sprach Elke Bartz, Vorsitzende des Forums selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen (ForseA) e. V., über „Persönliche Assistenz und persönliches Budget – auch im Alter möglich?"

Mobilität als notwendige Voraussetzung für ein Leben in der Gemeinde" war das Thema der 2. Vorsitzenden des MMB e.V., Ute Germann.

Diese vier Impulsreferate ergänzten sich fast nahtlos.

Einigkeit herrschte darüber, dass es ein „Daheim statt Heim" nur geben kann, wenn das Umfeld für alle Generationen stimmig ist und über das persönliche Budget die Assistenz finanziell abgesichert wird.

Jedoch ist die vorhandene Mobilität in diesem Zusammenhang genauso wichtig wie all die anderen angesprochenen Punkte. Denn was nützt eine barrierefreie Wohnung und eine Assistenz rund um die Uhr, wenn der Mensch durch fehlende Mobilität ans Haus gefesselt ist und nur eine Reichweite hat, welche die Batterieladung seines E-Rollstuhls erlaubt.

Somit hat Mobilität weitaus mehr mit einem selbstbestimmten Leben zu tun, als einzig die Frage: "Wie bekomme ich ein „flitzendes Vehikel?"

Nur durch ein angepasstes Auto ist der Radius größer als 12 oder 20 Kilometer und erst dann ist die Teilnahme am „öffentlichen Leben" wirklich möglich.

In der nachfolgend stattfindenden Podiumsdiskussion kamen zahlreiche weitere Fragen auf und die Podiumsteilnehmer konnten zu ihren Themen Stellung nehmen.

Der Kongress hat einmal mehr gezeigt, dass für ein für alle hindernisfreies Leben noch viel bewegt werden muss.

Besucher vor dem GemeinschaftsstandDie anschließenden Besuche vieler Kongressteilnehmer an unserem Stand gaben uns ein sehr gutes Feedback in den dann geführten Gesprächen.

Ein fantastischer Themenpark zum Thema „Wohn(t)raum" unter dem Titel „Barrierefreies Bauen und Wohnen" befand sich in Halle 6, in der auch der MMB und „Daheim statt Heim" ihren gemeinsamen Messestand hatten.

Über den gesamten weiteren Verlauf der Messe hinweg besuchten uns immer wieder Vereinsmitglieder, die „Danke" sagen wollten für die Unterstützung des MMB. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, das Lächeln in den Gesichtern zu sehen, weil die Mobilität der Familie wieder hergestellt ist.

Andere Mitglieder kamen am Stand vorbei, um „Guten Tag" zu sagen und mit uns einfach ein paar Worte zu wechseln oder sie suchten Rat für den weiteren Fortgang ihrer Antragsverfahren.

Einfach prima waren der Moment, als Renate Ehlen und ihr Ehemann 3 Kartons gefüllt mit Weingummi verschiedenster Art an den Stand brachten und sie in großen Schalen auf den Tischen zum Hineingreifen bereitstellten sowie der Moment, als Steffi Langstädtler mit einer riesigen Dose selbstgebackenem Kuchen für das Standteam vorbeischaute.

All diesen Mitgliedern gilt unser herzliches Dankeschön für ihren Besuch und ihre Unterstützung!

Der großartige Einsatz aller Standmitglieder erlaubte es uns auch, eine Vielzahl von Flyern und Informationsbroschüren zu verteilen, was gerade, wenn sich wieder einmal eine Traube von Rollstuhlfahrern vor dem Stand aufhielt, besonders erfolgreich war.

Das ermöglichte Silvia Heinsohn und Simone Ahrens mit zahlreichen Menschen ins Gespräch zu kommen, sie über den MMB zu informieren und auf den Standpartner „Daheim statt Heim" hinzuweisen, durch dessen Ziele und Arbeit der MMB eine sehr gute Ergänzung erfährt.

Gemeinsam führten Ute Germann und Gerhard Franken eine interessante Unterhaltung am Stand der RWE, die, für viele überraschend, auch auf der Messe vertreten war. Wenig bekannt dürfte sein, dass der RWE-Konzern insgesamt etwa 2.000 Menschen mit Behinderung beschäftigt, und sich somit einer großen sozialen Aufgabe stellt.

In den Gesprächen ging es um eine mögliche Projektunterstützung für den MMB. Über den derzeitigen Verlauf des Dialogs kann zum jetzigen Zeitpunkt leider noch keine abschließende Auskunft gegeben werden.

Unermüdlich im Dauereinsatz zeigte sich auch Karin Vollath aus Karlsruhe, die in unserem Auftrag an einer interessanten und in Deutschland bisher einzigartigen Studie zum Thema: „Bedeutung und Auswirkung fehlender Mobilität auf behinderte Menschen" arbeitet. Die damit verbundene Fragebogenaktion erhielt auch in Düsseldorf großen Zuspruch. Wir hoffen, dass die gute Resonanz sich auf die Vereinsarbeit positiv auswirkt.

Karin Vollath und Simone Ahrens (re.)

Karin Vollath ist Kommunikationswissenschaftlerin und seit April 2007 Mitglied im MMB. Mit Hilfe der durch sie möglich gewordenen Studie hofft der MMB, langfristig eine Änderung der Förde-ungspraxis im Bereich der Mobilität zu erreichen. Das ferne Ziel „Mobilität für ALLE" sollte deshalb von uns allen verfolgt werden. Wenn die neuen Fragebögen online sind, werden die MMB-Mitglieder über die Diskussionsliste benachrichtigt.

Verbunden mit der Fragebogenaktion wurde am letzten Messetag am Stand eine Tombola veranstaltet, deren Hauptgewinn, ein Rodelschlitten für große und kleine Menschen mit Handicap, sehr viele Leute anlockte. Dank der guten Kontakte von Simone Ahrens spendete die Firma KHW GESCHWENDA in Thüringen diesen besonderen Schlitten.

Ute Germann und Detlef Wapenhans machten sich auf die „Jagd" und kauften auf der Messe noch einen zweiten und dritten Preis die dann ebenfalls verlost werden konnten.

PA060017Am 6.10.07 um 15:00 Uhr war es dann so weit!

Der kleine Marvin, der mit seinen Eltern ebenfalls die Messe besuchte, zog mit geschlossenen Augen aus einem Karton, in den zuvor alle Teilnahmekarten geworfen und gemischt wurden, die glücklichen Gewinner. Simone Ahrens sprach dem siebenjährigen Jungen noch ein wenig Mut zu und dann wurde die Ziehung ohne Probleme vollzogen.

Als Fazit unseres Messestandes kann gesagt werden, dass es anstrengende, aber auch erfolgreiche, gefühlvolle und erfahrungsreiche Tage waren. Es gab Phasen mit extremem Zulauf und das Standteam hatte alle Hände voll zu tun. Da gab es oft kaum Zeit zum Luft holen. Natürlich gab es immer wieder auch Phasen, in denen die Besucherzahl deutlich abebbte, was aber auf den Streik der Deutschen Bahn und die fortschreitende Tageszeit zurückzuführen war.

Im Verlauf der Messetage wurde den Teilnehmern klar, dass dieser Messeauftritt den MMB, insbesondere durch die Anwesenheit von „Daheim statt Heim" und durch die Studie von Karin Vollath, auf ein gesellschaftspolitisches Gleis gebracht hat. Diese Richtung wird auch zukunftsweisend für unsere weitere Arbeit sein, denn wenn wir es alle gemeinsam nicht vermögen, politisch Einfluss nehmen zu können, sind wir von Veränderungen noch sehr weit entfernt.

Abschließend sei noch folgenden Personen für die gemeinsame Messestandbetreuung gedankt:

Für den MMB e.V.: Simone Ahrens, Ute Germann, Silvia Heinsohn, Karin Vollath, Inge & Helmut Rebmann, Detlef Wapenhans, Gerhard Franken, Carsten Mende, Sebastian Donner und Sven Drebes.

Für Daheim statt Heim: Dr. Maria & Klaus Panzer, Ulrike Overkamp (Evangelisches Johanneswerk Bielefeld), Prof. Dr. Johannes Roskothen und Dieter Kalesse (Hephata Mönchengladbach).

Wir danken der Firma KHW GESCHWENDA für die Spende des Schlittens „Snow Comfort" als Hauptpreis für unsere Tombola.