Der gemeine Rollstuhlfahrer

(von Robert Schneider)

(Im Andenken an den Naturforscher und Zoologen Bernhard Grzimek)

 

Zu Beginn sei dieser Hinweis gestattet: Aus Gründen der Verständlichkeit wird in diesem Vortrag das generische Maskulinum verwendet. Auf die jeweiligen Geschlechter und Untergeschlechter besonders einzugehen, würde den Umfang des Vortrags sprengen.

Der gemeine Rollstuhlfahrer (homo rollando) ist eine Unterart des sich fortbewegenden Menschen (homo mobilis).
Dieser entwickelte sich aus dem modernen Menschen (Homo sapiens) der auf dem aufrecht gehenden Menschen (Homo erectus) beruht.

Der homo mobilis teilt sich in zwei Unterarten, dem sich selbst fortbewegenden Menschen (homo automobilis) und dem geschobenen Menschen (homo pellere).

In urbaner Umgebung wird häufig der homo rollando electricus beobachtet. Dieser bedient sich einer externen Kraftquelle.

Im freien Feld ist eher der homo rollando Dickarm zu finden, der in der Lage ist, sich auch auf unebenem Gelände zurechtzufinden.
Der homo rollando Dickarm kann sich aus eigener Kraft fortbewegen, was zum ersten Mal von dem Naturforscher Claudius Dickarm beobachtet wurde.

(seltene Aufnahme eines homo rollando dickarm in freier Natur)

Die Fortpflanzung des homo rollando konnte bisher noch nicht verifiziert werden. Einige wenige Exemplare sollen bereits mit den entsprechenden Anlagen geboren werden, was sich aber bis dato noch nicht verifizieren ließ.

Die Hinweise verdichten sich, dass sich der homo rollando asexuell fortpflanzt. Wahlweise das Männchen oder das Weibchen soll verdeckt auf ein Exemplar des homo pedes warten, um geeigneten Moment hervorzustürzen und mit hoher Geschwindigkeit auf diesen aufzuprallen.

Dieser Vorgang wird als Fortpflanzung durch Kollision bezeichnet. Ob dies absichtlich oder unwillkürlich geschieht, muss durch weitere Beobachtung geklärt werden.

Interessant ist auch, wie sich das Zusammentreffen mit dem seine Beine nutzenden Menschen (homo pedes) gestaltet, und wie der homo rollando es ebenfalls zur Einleitung eines Fortpflanzungsversuchs nutzt.

Manche männlichen Exemplare wurden beobachtet, wie sie von hinten dicht an einen weiblichen homo pedes heranfuhren um dann ein plötzliches, lautes Geräusch zu erzeugen. Erschreckt springt das Weibchen ein Stück zurück, um prompt auf dem Schoß des homo rollando Männchens zu landen. Das Männchen nutzt sein angeborenes Verhalten dann dazu, das Weibchen zu beruhigen und einen Werbe- und Fortpflanzungsvorgang einzuleiten.

Der homo rollando trifft sich regelmäßig in Gruppen aus der näheren Umgebung. Man behauptet, dass einzelne Exemplare aus über 50 Kilometern Entfernung angelockt werden. Der Sinn dieser Treffen hat sich der Wissenschaft bisher noch nicht erschlossen. Einige Forscher schließen religiöse oder mythische Hintergründe nicht aus.

Der homo rollando ernährt sich ähnlich, wie der Homo sapiens. Allerdings wird ein geringfügig höherer Anteil an Pflanzenstoffen festgestellt. Dies mag einmal daran liegen, dass die Fortbewegung auf Rädern das Erlegen von Beutetieren deutlich erschwert.
Auch sind Beutetiere in urbaner Umgebung darauf spezialisiert, dem Homo sapiens aus dem Weg zu gehen. Der homo rollando vermeidet es in der Regel, Tierfallen aufzustellen, da ihm das Töten von wehrlosen Wesen widerstrebt.

Ein bereits verarbeitetes und kochfertig vorbereitetes Stück Fleisch, das er nur noch erhitzen und ihm Röstaromen zufügen muss, kommt ihm daher sehr gelegen.

Sich die Nahrung von dafür ausgebildetem Personal zubereiten zu lassen, kommt für den homo rollando seltener infrage. Dies mag auch an der Einkommensstruktur liegen, die gegenüber der des homo pedes oft geringer ist.